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Anschlussfinanzierung: Vergleichen, früh kümmern, ruhig bleiben

Erkenntnisse & Transkript

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Warum Sondertilgung nicht immer der beste Weg ist, was Tilgung senken kostet und wann ein Bankenwechsel sich lohnt.

Nach dem Zinssprung 2021/2022 stehen in den nächsten Jahren viele Anschlussfinanzierungen an – und anders als im Jahrzehnt davor gibt es dabei meist keine guten Nachrichten mehr zu verteilen. Anlass dieser Folge ist ein sieben­minütiger Beitrag des Marktmagazins mex des Hessischen Rundfunks zum Thema Anschlussfinanzierung. Wer den naheliegenden Ratschlägen aus kurzen Marktbeiträgen folgt, trifft leicht Entscheidungen, die teurer sind als nötig oder sich gar nicht mehr rückgängig machen lassen. Diese Folge ordnet ein, welche dieser Ratschläge tragen und welche nur eine Seite der Medaille zeigen.

„Egal welche Finanzierung aus dieser Niedrigzinsphase du dir anschaust – es wird teurer werden.“
— Elisabeth

Wir erklären:

  • Sondertilgung vs. Anlage: Warum eine Sondertilgung bei niedrigem Altzins nur genau diesen Zinssatz spart - und der Markt mehr bieten kann.
  • Opportunitätskosten: Warum die entscheidende Frage ist, wo das Geld besser aufgehoben ist, nicht ob man sondertilgt.
  • Tilgung senken: Was es bedeutet, die Tilgung abzusenken, um die Rate tragbar zu halten - und wie sich das auf Laufzeit und Zinskosten auswirkt.
  • Energieeffizienzklassen: Warum eine Immobilie unterhalb Klasse A oder B sehr wohl finanzierbar bleibt und wo die kritische Linie wirklich liegt.
  • Modernisierung mitdenken: Warum der Anschlusszeitpunkt der passende Moment für sinnvolle Sanierungen ist.
  • Forward-Aufschlag: Warum eine Zinssicherung im Voraus nicht zum aktuellen Zins zu haben ist.
  • Bankenwechsel: Wann eine Neubewertung tatsächlich zu einem besseren Zinssatz führt - und wann nicht.
  • In Euro rechnen: Warum die monatliche Belastung in Euro die Entscheidung greifbarer macht als jede Prozentangabe.

Die zentralen Erkenntnisse

  • Sondertilgung ist nicht automatisch der beste Weg: Wer sondertilgt, spart genau seinen Darlehenszinssatz. Bei einem niedrigen Altzins wie 1,4 Prozent kann dasselbe Geld am Markt mehr Rendite bringen.
  • Opportunitätskosten gehören in die Rechnung: Statt nur auf die Sondertilgung zu schauen, sollte man vergleichen, wo das Geld über die Jahre besser aufgehoben ist.
  • Eigenkapital ist der eigentliche Hebel: Angespartes Kapital lässt sich zum Anschlusszeitpunkt einsetzen, um die Restschuld auf einen Schlag zu senken und eine Ratensteigerung abzufedern.
  • Tilgung senken verschiebt das Problem: Eine niedrigere Tilgung macht die Rate tragbar, verlängert aber die Laufzeit - möglicherweise bis in die Rente - und kostet deutlich mehr Zinsen.
  • Energieeffizienzklasse D oder schlechter heißt nicht „nicht finanzierbar": Die kritische Linie liegt zwischen F und G; einen Sanierungsfahrplan verlangen Banken in der Regel erst bei G- oder H-Immobilien.
  • Forward-Sicherung kostet einen Aufschlag: Ein Zinssatz für die Zukunft ist nicht zum aktuellen Zins zu haben - der Forward-Aufschlag steigt mit dem Vorlauf und fällt, je näher der Termin rückt.
  • Bankenwechsel ist kein Selbstläufer: Ein besserer Zins entsteht nur, wenn die Neubewertung einen höheren Marktwert ergibt - und erst, wenn er die Wechselkosten übersteigt.

Das folgende Transkript wurde zur besseren Verständlichkeit redaktionell gekürzt und bearbeitet.

Warum Anschlussfinanzierung gerade jetzt Thema ist

Marco: […] Du warst diese Woche in Leipzig bei der Masterclass der ProHyp. Wieso ist das relevant?

Elisabeth: Jörg Utecht, CEO von Interhyp und ProHyp, hat einen Vortrag zur wirtschaftlichen Lage und zur Anschlussfinanzierung gehalten. Er hatte Grafiken dabei, an denen man gesehen hat: 2021 und 2022 ist der Anteil an Anschlussfinanzierungen explodiert. Die Zinsen hatten sich Anfang 2022 von rund 1 % auf 4 % vervierfacht. Jeder Berater hatte seine Kunden auf dem Schirm, die in den nächsten fünf Jahren hätten anschlussfinanzieren können – das wurde alles vorgezogen. Nach 2022 hat nur das anschlussfinanziert, was unbedingt musste. Und jetzt bereitet sich auch eine Interhyp wieder auf deutlich höhere Zahlen vor, weil bald wieder die Jahre kommen, in denen die Menschen anschlussfinanzieren wollen – und am Ende des Tages müssen.

Marco: Parallel hatte ich im YouTube-Feed die Empfehlung vom hr-Marktmagazin MEX, unter dem Titel „Anschlussfinanzierung – warum jetzt viele Immobilienkäufer rechnen“. Beides zusammen hat uns bewegt, das Thema einmal einzuordnen. Wir verlinken den Beitrag – ich lege jedem ans Herz: Stoppt hier kurz, schaut ihn euch an. Sind sieben Minuten, sehr verdaulich. Es ist gut, dass er gemacht wurde. Und jetzt kommt das kleine Aber: Es gibt ein paar Stellen, die wir anders sehen. Lass uns mit dem Thema Sondertilgung reinstarten. Dort wurde sehr pauschal gesagt: Mit Sondertilgungen stehen heute viele deutlich besser da.

Sondertilgung und Opportunitätskosten

Elisabeth: Das finde ich ganz schön problematisch, besonders mit Blick auf das Beispiel. Das Szenario: jemand hatte 2016 in Wiesbaden gekauft. 550.000 Kaufpreis, 440.000 Darlehenssumme, also 80 Prozent, 1,4 Prozent Zins und 2 Prozent Tilgung. Die Rate lag bei 1.246. Nach zehn Jahren, also jetzt 2026, sind 345.000 übrig. Und dann hieß es: Der Zinssatz ist jetzt bei 3,78 Prozent, und bei gleicher Laufzeit zahlt man auf einmal 418 Euro im Monat mehr – Rate dann 1.665, Restschuld 261.000.

Marco: Die Kernmessage: Der monatliche Betrag steigt durch die Anschlussfinanzierung so stark, dass es für manche Haushalte nicht mehr tragbar ist.

Elisabeth: Und dann hieß es: Leute, die Sondertilgung gemacht hätten, würden besser dastehen, weil die Restschuld geringer und die Rate gleich bleibt. Der Zins wird ja immer auf das berechnet, was noch übrig ist.

Marco: Das ging im ersten Schritt super logisch – ich habe das genauso verstanden. Aber hier besteht ein strukturelles Missverständnis.

Elisabeth: Weil das große Thema fehlt: Opportunitätskosten. Wir haben gerechnet: Um das zu erfüllen, hätte man rund 8.800 Euro Sondertilgung pro Jahr liefern müssen – knapp zwei Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme. Damit die Restschuld am Ende 88.000 Euro geringer ist, damit sich die Rate nicht um 400 Euro verteuert. Was mich stört: Es wird nur auf die Sondertilgung reduziert. Du kannst diese 8.800 Euro jährlich auch in den MSCI World packen oder in ein anderes Instrument mit höherer Rendite. Und besonders ab 2022 hat man schon im risikolosen Markt, bei Tagesgeld, 2 bis 3 Prozent bekommen.

„Wenn ich eine Sondertilgung im Darlehen mache, habe ich immer nur die Ersparnis von dem Zinssatz, den ich an die Bank zahle.“

Elisabeth: Deswegen ist es meiner Meinung nach töricht, jemandem mit 1,4 Prozent gesichertem Zins eine Sondertilgung zu empfehlen, wenn der Markt deutlich darüber liegen kann. Man kann nach den zehn Jahren auch das angesparte Kapital – umgerechnet 80.000 Euro – in die Hand nehmen und die Restschuld auf einen Schlag senken, um die Raten-Explosion zu umgehen.

Marco: Hat man an anderer Stelle gelernt: Der größte Hebel ist das Eigenkapital, das man in den zehn Jahren über einen anderen Weg aufgebaut hätte, statt zu sondertilgen.

„Man muss sich immer überlegen, wo mein Geld besser aufgehoben ist.“

Elisabeth: Deswegen würde ich es zusammenfassen auf das Thema Opportunitätskosten. Die Aussage, dass Leute mit Sondertilgungen besser stehen, ist ein bisschen zu kurz gedacht.

Tilgung senken und die Folgen für die Laufzeit

Marco: Nächster Punkt, das Thema Tilgung. Die Empfehlung war: Wenn es bei Kunden eng wird durch die Anschlussfinanzierung, soll man die Tilgung auf ein Minimum setzen und später stufenweise wieder erhöhen. Da hast du kurz gezuckt.

Elisabeth: Es wird Randfälle geben – etwa Elternzeit mit kurzfristigem Engpass. Aber meistens gilt: Wer vor zehn Jahren abgeschlossen hat, ging mit einer Laufzeit zwischen 25 und 40 Jahren rein, die durchgehalten werden sollte. Wenn ich jetzt den Tilgungssatz so senke, dass die Laufzeit auf 40 oder 45 Jahre steigt, bin ich schon zehn Jahre älter – das Darlehen läuft dann wahrscheinlich in die Rente. Dann verschiebe ich das Problem in die Zukunft. Als Berater mache ich vielleicht den Abschluss und freue mich über die Provision, aber im Sinne des Kunden ist das nicht unbedingt. Im Beitrag klang es so: Ach, das machen wir für ein paar Jahre und dann wächst man wieder rein. Ich hätte mir gewünscht, dass man die 30 Sekunden Zeit nimmt, um zu flaggen, dass das die Laufzeit der Gesamtfinanzierung verlängert.

Marco: Wichtig: Die Message ist nicht „Wenn es eng ist, muss man sofort verkaufen“. Aber wenn es wirklich extrem eng ist, ist der Punkt der Anschlussfinanzierung ein Zeitpunkt, die finanzielle Situation kritisch anzuschauen. Das ist super individuell und schwer pauschal zu beantworten.

Elisabeth: Mir geht es nicht darum, dass es kein Mittel sein kann. Aber zu kurz gekommen ist, welche Konsequenz das Senken der Tilgung hat: dass ich viel mehr Zinsen zahle und viel länger abzahle.

Marco: Das ist extrem teuer.

Elisabeth: Und das wird extrem teuer. Da ist wieder nur eine Seite der Medaille gezeigt worden.

Schaubilder im Beitrag: gleiche Maßstäbe fehlen

Marco: Noch ein freundlicher Hinweis an die Macher. Wir sehen zwei Schaubilder: den Zins seit den 1970er Jahren, und ein paar Sekunden später die Immobilienpreise – aber erst seit 2004. Das fand ich etwas misleading. Den Immobilienpreisindex gibt es auch schon seit den 70er Jahren. Der wissenschaftliche Arbeiter in mir regt sich da.

Elisabeth: Wenn du dir die Mühe machst, den teuersten Zinssatz von vor 50 Jahren rauszukramen, der bei über 11 % lag, dann …

Marco: … auch die billigsten Immobilienpreise von vor 50 Jahren.

Elisabeth: Dann würde ich mir wenigstens wünschen, dass das nächste Schaubild den gleichen Maßstab anlegt. Das haben wir beide in unseren Masterarbeiten lernen dürfen: Wenn du einen Zeitraum betrachtest, betrachtest du die gleichen Zeiträume.

Marco: So simpel wie das. Interessant fand ich: 2004 lag das Zinsniveau bei rund 5 % – gar nicht mehr so viel höher als jetzt. Die Preise waren aber deutlich günstiger.

Elisabeth: Ja, das muss man dazu sagen.

Marco: Nennt sich Inflation und Entwertung des Geldes.

Energieeffizienzklassen und Finanzierbarkeit

Marco: Dann zum Thema Energieeffizienzklasse. Im Beitrag hieß es: Wenn man ein Gebäude mit Klasse D oder schlechter hat, muss man – Betonung auf „muss“ – einen Sanierungsfahrplan inklusive Kosten vorlegen. Und alles außerhalb A oder B brauche einen Plan, damit eine Bank mitmacht.

Elisabeth: Beide Aussagen fand ich äußerst fragwürdig. Es kommt so rüber, als hättest du ohne A oder B eine Schrottimmobilie, die nicht finanzierbar ist. Das ist einfach falsch. Aus zahlreichen Kundengesprächen: Ich habe noch nicht einmal bei einer D-, E- oder F-Immobilie einen Sanierungsfahrplan vorlegen müssen. Zinsausschläge gibt es bei G- oder H-Immobilien, und dort darf man der Bank einen Plan vorlegen, wie man aus dem G- oder H-Status rauskommt. Aber die Linie ist zwischen F und G.

„Wenn ich eine F-Immobilie habe, dann freut sich die Bank, das zu finanzieren.“

Elisabeth: Das Bild ist faktisch falsch. Es wird suggeriert, dass man solche Immobilien gar nicht mehr finanziert bekommt und dass es schlechte Immobilien sind. Es gibt sogar sanierte Immobilien, wo es kostenmäßig keinen Sinn macht, in Richtung B-Haus zu kommen, weil der Nutzen nicht da ist. Eine E-Immobilie kann eine super Immobilie in Top-Zustand sein. Das fasziniert mich: dass suggeriert wird, D und schlechter kannst du nicht mehr finanzieren. Menschen sehen das, denken „Oh Gott, wir müssen in diese Klasse kommen“ – und geben unnötig Kosten aus oder entscheiden sich gegen eine Immobilie.

„Das ist für mich die schlimmste Aussage, die dort in diesen sieben Minuten getroffen wurde, weil sie dazu führen kann, dass Menschen Fehlentscheidungen treffen.“

Marco: Dabei gibt es schöne Programme, die einen incentivieren, eine Effizienzklasse besser zu werden. Man hat nur sieben Minuten – aber die Pauschalität der Aussage ist bemerkenswert. Und sie hat überhaupt nichts mit dem Thema Anschlussfinanzierung zu tun.

Elisabeth: Die meisten Immobilien liegen nach Sanierung bei D, E oder F. Sehr selten kommt eine von G oder H Richtung A, B oder C – das ist Neubau-Standard. Die zweite Aussage, dass nur A und B finanziert wird, ist so offensichtlich falsch, da müssen wir uns nicht mit beschäftigen. Aber die erste Aussage ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der gerade ein G oder H hat und sich freut, mit Gutachter das Sinnvolle mit gutem Kosten-Nutzen-Verhältnis zu machen, um in ein E oder F zu kommen.

Modernisierung über die Anschlussfinanzierung mitdenken

Marco: Wir hatten drei Tipps am Ende des Beitrags. Der dritte war die Ausweitung des Kredits, etwa auf Modernisierungsmaßnahmen – passt zum Thema Energieeffizienz. Würdest du da mitgehen?

Elisabeth: Absolut, feiner Haken. Wenn ich ein H-Haus habe, wo die Heizung noch zehn Jahre hält, mache ich vielleicht Fenster, Dachdämmung, oberste Geschossdecke und komme in ein F oder E. Eine Wärmepumpe würde mich Richtung C bringen, aber dann würde ich heute Kosten verursachen, die nicht nötig sind. Besser nutze ich in zehn Jahren den Anschlussfinanzierungszeitpunkt, um die Wärmepumpe mit aufzunehmen. Bevor man ein teures kleines Sanierungsdarlehen innerhalb der zehn Jahre aufnimmt, wartet man gescheit, bis die Anschlussfinanzierung ansteht.

Marco: Da hätte ich mir etwas mehr praxisnahen Transfer gewünscht: Wie schaffe ich es aus meiner H-Immobilie über den Anschlusszeitpunkt eine Effizienzklasse besser?

Elisabeth: Oder wenigstens eine Verlinkung, damit ich mich tiefer reinlesen kann. Klar, es waren nur sieben Minuten. Aber der Tipp – da kann ich einen Haken hintersetzen, dass man das genauso machen sollte.

Marco: Macht mehr als Sinn, insbesondere bei mutmaßlich steigenden Energiekosten.

Frühzeitig kümmern und der Forward-Aufschlag

Marco: Der erste Tipp war: frühzeitig kümmern. Man kann sich fünf Jahre im Voraus den neuen Zinssatz sichern. Da hattest du ein Sternchen drangemacht.

Elisabeth: Mir hat der Disclaimer gefehlt. Ich kann mir fünf Jahre im Voraus – bei manchen Banken drei Jahre – einen Zinssatz sichern. Ein Halbsatz wurde vergessen: Da fallen Forward-Aufschläge an. Ich bekomme nicht den aktuellen Zinssatz, sondern es wird ein Aufschlag draufgemacht. Je weiter ich in die Zukunft gehe, desto höher: Die Bank weiß nicht, wie sich der Zins entwickelt, das ist eine Wette, also schlägt sie 0,2, 0,3, 0,4 drauf – von jeder Bank unterschiedlich. Das hätte ich mir gewünscht, weil es sonst suggeriert: Mach dir keine Sorgen, du kannst dir das Zinsniveau einfach sichern.

Marco: Sehr wichtiger Hinweis, der nicht jedem klar sein wird. Man muss es wissen und dann nach eigenem Sicherheitsbedürfnis entscheiden.

Elisabeth: Die ersten Wörter waren richtig: Frühzeitig kümmern heißt, frühzeitig auf Bank oder Berater zuzugehen und zu fragen, was das aktuelle Zinsniveau ist. Man kann alle drei Monate schauen, wie die Lage ist. Je näher man am Anschlusszeitpunkt ist, desto günstiger wird es, weil der Forward-Aufschlag pro Monat wegfällt. Da kann man austarieren, wann der rechte Zeitpunkt ist.

Bankenwechsel und Neubewertung der Immobilie

Marco: Tipp zwei war der Bankenwechsel: Eine Immobilie wird beim Wechsel neu bewertet, was zu einem besseren Zinssatz führt. Das klingt einfach.

Elisabeth: Grundsätzlich: Wenn ich nach zehn Jahren zu einer neuen Bank gehe, bewertet sie die Immobilie, bekommt den Marktwert raus, und die Restschuld wird ins Verhältnis dazu gesetzt. Nur wurde wieder der Schluss gezogen, dass jede Bank nach zehn Jahren automatisch einen höheren Marktwert herausbekommt. Es kann aber sein, dass du einen überhöhten Kaufpreis gezahlt, nicht saniert hast und jetzt 24 Sachen anstehen – dann wird der Marktwert nach unten korrigiert, und du bekommst keinen besseren Zinssatz. Da war man wieder sehr pauschal. Ich hätte mir die Formulierung entschärft gewünscht: dass man bei einer neuen Bank einen besseren Marktwert bekommen kann.

Marco: Es klang so, als wäre pauschal nach zehn Jahren jede Immobilie mehr wert. Da braucht es keinen Raketenwissenschaftler, um zu wissen: In der Pauschalität ist das falsch. Damit haben wir alle Punkte aus dem Beitrag beleuchtet. Was sind denn deine drei Tipps für jeden Anschlussfinanzierer?

Elisabeths drei Tipps: Vergleichen, rechtzeitig kümmern, Ruhe bewahren

Elisabeth: Mein erster Tipp: Vergleichen. Lasst euch von der Hausbank einen Zinssatz geben und legt das beim Berater neben andere Banken. Dann seht ihr, ob der Marktwert höher geworden ist und ob ein Wechsel Sinn macht. Wichtig: Ein Bankenwechsel verursacht Kosten – die Grundschuld muss an die neue Bank abgetreten werden, das trage ich selbst. Die Zinsersparnis muss sich also über diese Kosten hinaus lohnen. Außerdem ist es Aufwand: Ich muss alle Unterlagen neu einreichen.

Marco: Im Prinzip eine neue Finanzierung.

Elisabeth: Genau, und die Bonität wird neu betrachtet. Stichwort: Ich habe vielleicht als Angestellter finanziert und bin jetzt in Rente mit niedrigerem Einkommen – ein riesiger Unterschied. Noch schlimmer beim Objekt: Unterlagen, die ich vor zehn Jahren nicht brauchte, muss ich jetzt beschaffen, ohne Makler. Man muss schauen, ob man die nötigen Unterlagen überhaupt zur Verfügung stellen kann.

Marco: Ein wichtiger Punkt aus dem Beitrag: Banken achten mittlerweile sehr stark auf Immobilie und Energieeffizienzklasse – vor zehn Jahren war das entspannter. Das bringt in der Neubewertung ein gewisses Risiko.

Elisabeth: Beim Neuabschluss steigt die Flexibilität: Ich kann Tilgung anpassen, Zinsbindung selbst bestimmen. Bei der Prolongation – beim Bankpartner bleiben – habe ich einen schlankeren Prozess, die Einkommen werden trotzdem geprüft, aber in der Regel läuft es so weiter. Ich bin aber eingeschränkter in der Strukturierung, die Laufzeit muss gleich bleiben. Dafür spare ich die Eintragungskosten der Grundschuldabtretung. Das ist ein Abwägen von Fall zu Fall. Mein Tipp: den Vergleich machen und dann für sich entscheiden. Mein zweiter Tipp: rechtzeitig kümmern, mit Augenmaß. Fünf Jahre vorab ein Gefühl fürs Zinsniveau bekommen und sich transparent geben lassen, wie hoch der Aufschlag wäre – in Euro. Je näher man kommt, desto öfter sollte man mit dem Berater gesprochen haben. Nicht jeden Tag verrückt machen, sondern schauen: Wenn das Zinsniveau stabil bleibt, wie groß ist die Ersparnis, wenn ich bis ein Jahr vor Anschlussfinanzierung warte? Dann entfällt meist der Forward-Aufschlag.

Marco: Man war fünf, sechs, sieben Jahre auf dem Beifahrersitz – und jetzt ist es Zeit, sich wieder auf den Fahrersitz zu setzen, der Entwicklung aktiv nachzugehen und Opportunitätskosten abzuwägen.

Elisabeth: Die letzten Jahre war es einfach, weil es immer nur runterging. In den nächsten Jahren werden wir Gespräche führen, in denen es teurer wird – egal welche Finanzierung aus der Niedrigzinsphase. Deshalb sollte man sich rechtzeitig melden und zwei Fragen unterscheiden: Was ist der aktuelle Zinssatz und mein Mehrbetrag? Und was ist der Aufschlag, wenn ich mir den Zins für in fünf Jahren sichere? Kann ich den Mehrbetrag aus meinem Einkommen stemmen, lasse ich erstmal alles laufen und setze in zwei, drei Jahren den nächsten Termin. So arbeitet man sich vor, bis man an den Punkt kommt, wo man abbiegt. Wenn es über den Forward-Aufschlag hinaus steigt und ich ein Existenzrisiko hätte, könnte ein Forward sinnvoll sein. Aber das ist so individuell, dass Pauschalaussagen extrem schwer sind.

„Egal welche Finanzierung aus dieser Niedrigzinsphase du dir anschaust – es wird teurer werden.“

Marco: Vergleichen sehr wichtig, frühzeitig kümmern unter dem Sternchenverweis. Hast du noch einen dritten, oder sind es einfach die zwei?

Elisabeth: Sich nicht verrückt machen lassen. Es wird Käuferinnen und Käufer geben, die schlecht beraten wurden und sich die Immobilie nicht mehr leisten können – da kommt es vielleicht zu Verkäufen. Aber bei allen, die in der Niedrigzinsphase gut beraten wurden, sind solche Risiken abgebildet: Die Rückzahlungsraten wurden so gemacht, dass die Restschuld nur so hoch ist, dass sich die Belastung nicht explosiv ändert.

„Ihr könnt die Situation nicht ändern, aber was ihr ändern könnt, ist eure Einstellung dazu.“

Elisabeth: Geht nicht auf die Angst ein und sichert blind etwas, das ihr nicht einschätzen könnt, sondern lasst euch die Zahlen geben – bitte in Euro, weil wir mit Prozentzahlen nichts anfangen können. Was bedeutet das für mich pro Monat in Euro? Dann entwickelt ihr ein Bauchgefühl und könnt eine Entscheidung treffen. Was man nicht machen sollte: aus Angst sehr schnelle Entscheidungen treffen, die man später anders getroffen hätte. Denn aus einer Forward-Vereinbarung kommt man nicht mehr raus. Ruhe bewahren.

Marco: Ein sehr schöner, wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Tipp zum Ende. Hast du noch etwas im Kopf? … Ein Nein in diesem Sinne. Dann: Danke an alle, die es bis hierhin geschafft haben. Da machen wir einen Strich drunter. Bis bald und macht es gut in diesen bald sonnigen Tagen.

Elisabeth: Alles Gute. Ciao, ciao.

Die zentralen Erkenntnisse

  • Sondertilgung ist nicht automatisch der beste Weg: Wer sondertilgt, spart genau seinen Darlehenszinssatz. Bei einem niedrigen Altzins wie 1,4 Prozent kann dasselbe Geld am Markt mehr Rendite bringen.
  • Opportunitätskosten gehören in die Rechnung: Statt nur auf die Sondertilgung zu schauen, sollte man vergleichen, wo das Geld über die Jahre besser aufgehoben ist.
  • Eigenkapital ist der eigentliche Hebel: Angespartes Kapital lässt sich zum Anschlusszeitpunkt einsetzen, um die Restschuld auf einen Schlag zu senken und eine Ratensteigerung abzufedern.
  • Tilgung senken verschiebt das Problem: Eine niedrigere Tilgung macht die Rate tragbar, verlängert aber die Laufzeit - möglicherweise bis in die Rente - und kostet deutlich mehr Zinsen.
  • Energieeffizienzklasse D oder schlechter heißt nicht „nicht finanzierbar": Die kritische Linie liegt zwischen F und G; einen Sanierungsfahrplan verlangen Banken in der Regel erst bei G- oder H-Immobilien.
  • Forward-Sicherung kostet einen Aufschlag: Ein Zinssatz für die Zukunft ist nicht zum aktuellen Zins zu haben - der Forward-Aufschlag steigt mit dem Vorlauf und fällt, je näher der Termin rückt.
  • Bankenwechsel ist kein Selbstläufer: Ein besserer Zins entsteht nur, wenn die Neubewertung einen höheren Marktwert ergibt - und erst, wenn er die Wechselkosten übersteigt.

Das folgende Transkript wurde zur besseren Verständlichkeit redaktionell gekürzt und bearbeitet.

Warum Anschlussfinanzierung gerade jetzt Thema ist

Marco: […] Du warst diese Woche in Leipzig bei der Masterclass der ProHyp. Wieso ist das relevant?

Elisabeth: Jörg Utecht, CEO von Interhyp und ProHyp, hat einen Vortrag zur wirtschaftlichen Lage und zur Anschlussfinanzierung gehalten. Er hatte Grafiken dabei, an denen man gesehen hat: 2021 und 2022 ist der Anteil an Anschlussfinanzierungen explodiert. Die Zinsen hatten sich Anfang 2022 von rund 1 % auf 4 % vervierfacht. Jeder Berater hatte seine Kunden auf dem Schirm, die in den nächsten fünf Jahren hätten anschlussfinanzieren können – das wurde alles vorgezogen. Nach 2022 hat nur das anschlussfinanziert, was unbedingt musste. Und jetzt bereitet sich auch eine Interhyp wieder auf deutlich höhere Zahlen vor, weil bald wieder die Jahre kommen, in denen die Menschen anschlussfinanzieren wollen – und am Ende des Tages müssen.

Marco: Parallel hatte ich im YouTube-Feed die Empfehlung vom hr-Marktmagazin MEX, unter dem Titel „Anschlussfinanzierung – warum jetzt viele Immobilienkäufer rechnen“. Beides zusammen hat uns bewegt, das Thema einmal einzuordnen. Wir verlinken den Beitrag – ich lege jedem ans Herz: Stoppt hier kurz, schaut ihn euch an. Sind sieben Minuten, sehr verdaulich. Es ist gut, dass er gemacht wurde. Und jetzt kommt das kleine Aber: Es gibt ein paar Stellen, die wir anders sehen. Lass uns mit dem Thema Sondertilgung reinstarten. Dort wurde sehr pauschal gesagt: Mit Sondertilgungen stehen heute viele deutlich besser da.

Sondertilgung und Opportunitätskosten

Elisabeth: Das finde ich ganz schön problematisch, besonders mit Blick auf das Beispiel. Das Szenario: jemand hatte 2016 in Wiesbaden gekauft. 550.000 Kaufpreis, 440.000 Darlehenssumme, also 80 Prozent, 1,4 Prozent Zins und 2 Prozent Tilgung. Die Rate lag bei 1.246. Nach zehn Jahren, also jetzt 2026, sind 345.000 übrig. Und dann hieß es: Der Zinssatz ist jetzt bei 3,78 Prozent, und bei gleicher Laufzeit zahlt man auf einmal 418 Euro im Monat mehr – Rate dann 1.665, Restschuld 261.000.

Marco: Die Kernmessage: Der monatliche Betrag steigt durch die Anschlussfinanzierung so stark, dass es für manche Haushalte nicht mehr tragbar ist.

Elisabeth: Und dann hieß es: Leute, die Sondertilgung gemacht hätten, würden besser dastehen, weil die Restschuld geringer und die Rate gleich bleibt. Der Zins wird ja immer auf das berechnet, was noch übrig ist.

Marco: Das ging im ersten Schritt super logisch – ich habe das genauso verstanden. Aber hier besteht ein strukturelles Missverständnis.

Elisabeth: Weil das große Thema fehlt: Opportunitätskosten. Wir haben gerechnet: Um das zu erfüllen, hätte man rund 8.800 Euro Sondertilgung pro Jahr liefern müssen – knapp zwei Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme. Damit die Restschuld am Ende 88.000 Euro geringer ist, damit sich die Rate nicht um 400 Euro verteuert. Was mich stört: Es wird nur auf die Sondertilgung reduziert. Du kannst diese 8.800 Euro jährlich auch in den MSCI World packen oder in ein anderes Instrument mit höherer Rendite. Und besonders ab 2022 hat man schon im risikolosen Markt, bei Tagesgeld, 2 bis 3 Prozent bekommen.

„Wenn ich eine Sondertilgung im Darlehen mache, habe ich immer nur die Ersparnis von dem Zinssatz, den ich an die Bank zahle.“

Elisabeth: Deswegen ist es meiner Meinung nach töricht, jemandem mit 1,4 Prozent gesichertem Zins eine Sondertilgung zu empfehlen, wenn der Markt deutlich darüber liegen kann. Man kann nach den zehn Jahren auch das angesparte Kapital – umgerechnet 80.000 Euro – in die Hand nehmen und die Restschuld auf einen Schlag senken, um die Raten-Explosion zu umgehen.

Marco: Hat man an anderer Stelle gelernt: Der größte Hebel ist das Eigenkapital, das man in den zehn Jahren über einen anderen Weg aufgebaut hätte, statt zu sondertilgen.

„Man muss sich immer überlegen, wo mein Geld besser aufgehoben ist.“

Elisabeth: Deswegen würde ich es zusammenfassen auf das Thema Opportunitätskosten. Die Aussage, dass Leute mit Sondertilgungen besser stehen, ist ein bisschen zu kurz gedacht.

Tilgung senken und die Folgen für die Laufzeit

Marco: Nächster Punkt, das Thema Tilgung. Die Empfehlung war: Wenn es bei Kunden eng wird durch die Anschlussfinanzierung, soll man die Tilgung auf ein Minimum setzen und später stufenweise wieder erhöhen. Da hast du kurz gezuckt.

Elisabeth: Es wird Randfälle geben – etwa Elternzeit mit kurzfristigem Engpass. Aber meistens gilt: Wer vor zehn Jahren abgeschlossen hat, ging mit einer Laufzeit zwischen 25 und 40 Jahren rein, die durchgehalten werden sollte. Wenn ich jetzt den Tilgungssatz so senke, dass die Laufzeit auf 40 oder 45 Jahre steigt, bin ich schon zehn Jahre älter – das Darlehen läuft dann wahrscheinlich in die Rente. Dann verschiebe ich das Problem in die Zukunft. Als Berater mache ich vielleicht den Abschluss und freue mich über die Provision, aber im Sinne des Kunden ist das nicht unbedingt. Im Beitrag klang es so: Ach, das machen wir für ein paar Jahre und dann wächst man wieder rein. Ich hätte mir gewünscht, dass man die 30 Sekunden Zeit nimmt, um zu flaggen, dass das die Laufzeit der Gesamtfinanzierung verlängert.

Marco: Wichtig: Die Message ist nicht „Wenn es eng ist, muss man sofort verkaufen“. Aber wenn es wirklich extrem eng ist, ist der Punkt der Anschlussfinanzierung ein Zeitpunkt, die finanzielle Situation kritisch anzuschauen. Das ist super individuell und schwer pauschal zu beantworten.

Elisabeth: Mir geht es nicht darum, dass es kein Mittel sein kann. Aber zu kurz gekommen ist, welche Konsequenz das Senken der Tilgung hat: dass ich viel mehr Zinsen zahle und viel länger abzahle.

Marco: Das ist extrem teuer.

Elisabeth: Und das wird extrem teuer. Da ist wieder nur eine Seite der Medaille gezeigt worden.

Schaubilder im Beitrag: gleiche Maßstäbe fehlen

Marco: Noch ein freundlicher Hinweis an die Macher. Wir sehen zwei Schaubilder: den Zins seit den 1970er Jahren, und ein paar Sekunden später die Immobilienpreise – aber erst seit 2004. Das fand ich etwas misleading. Den Immobilienpreisindex gibt es auch schon seit den 70er Jahren. Der wissenschaftliche Arbeiter in mir regt sich da.

Elisabeth: Wenn du dir die Mühe machst, den teuersten Zinssatz von vor 50 Jahren rauszukramen, der bei über 11 % lag, dann …

Marco: … auch die billigsten Immobilienpreise von vor 50 Jahren.

Elisabeth: Dann würde ich mir wenigstens wünschen, dass das nächste Schaubild den gleichen Maßstab anlegt. Das haben wir beide in unseren Masterarbeiten lernen dürfen: Wenn du einen Zeitraum betrachtest, betrachtest du die gleichen Zeiträume.

Marco: So simpel wie das. Interessant fand ich: 2004 lag das Zinsniveau bei rund 5 % – gar nicht mehr so viel höher als jetzt. Die Preise waren aber deutlich günstiger.

Elisabeth: Ja, das muss man dazu sagen.

Marco: Nennt sich Inflation und Entwertung des Geldes.

Energieeffizienzklassen und Finanzierbarkeit

Marco: Dann zum Thema Energieeffizienzklasse. Im Beitrag hieß es: Wenn man ein Gebäude mit Klasse D oder schlechter hat, muss man – Betonung auf „muss“ – einen Sanierungsfahrplan inklusive Kosten vorlegen. Und alles außerhalb A oder B brauche einen Plan, damit eine Bank mitmacht.

Elisabeth: Beide Aussagen fand ich äußerst fragwürdig. Es kommt so rüber, als hättest du ohne A oder B eine Schrottimmobilie, die nicht finanzierbar ist. Das ist einfach falsch. Aus zahlreichen Kundengesprächen: Ich habe noch nicht einmal bei einer D-, E- oder F-Immobilie einen Sanierungsfahrplan vorlegen müssen. Zinsausschläge gibt es bei G- oder H-Immobilien, und dort darf man der Bank einen Plan vorlegen, wie man aus dem G- oder H-Status rauskommt. Aber die Linie ist zwischen F und G.

„Wenn ich eine F-Immobilie habe, dann freut sich die Bank, das zu finanzieren.“

Elisabeth: Das Bild ist faktisch falsch. Es wird suggeriert, dass man solche Immobilien gar nicht mehr finanziert bekommt und dass es schlechte Immobilien sind. Es gibt sogar sanierte Immobilien, wo es kostenmäßig keinen Sinn macht, in Richtung B-Haus zu kommen, weil der Nutzen nicht da ist. Eine E-Immobilie kann eine super Immobilie in Top-Zustand sein. Das fasziniert mich: dass suggeriert wird, D und schlechter kannst du nicht mehr finanzieren. Menschen sehen das, denken „Oh Gott, wir müssen in diese Klasse kommen“ – und geben unnötig Kosten aus oder entscheiden sich gegen eine Immobilie.

„Das ist für mich die schlimmste Aussage, die dort in diesen sieben Minuten getroffen wurde, weil sie dazu führen kann, dass Menschen Fehlentscheidungen treffen.“

Marco: Dabei gibt es schöne Programme, die einen incentivieren, eine Effizienzklasse besser zu werden. Man hat nur sieben Minuten – aber die Pauschalität der Aussage ist bemerkenswert. Und sie hat überhaupt nichts mit dem Thema Anschlussfinanzierung zu tun.

Elisabeth: Die meisten Immobilien liegen nach Sanierung bei D, E oder F. Sehr selten kommt eine von G oder H Richtung A, B oder C – das ist Neubau-Standard. Die zweite Aussage, dass nur A und B finanziert wird, ist so offensichtlich falsch, da müssen wir uns nicht mit beschäftigen. Aber die erste Aussage ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der gerade ein G oder H hat und sich freut, mit Gutachter das Sinnvolle mit gutem Kosten-Nutzen-Verhältnis zu machen, um in ein E oder F zu kommen.

Modernisierung über die Anschlussfinanzierung mitdenken

Marco: Wir hatten drei Tipps am Ende des Beitrags. Der dritte war die Ausweitung des Kredits, etwa auf Modernisierungsmaßnahmen – passt zum Thema Energieeffizienz. Würdest du da mitgehen?

Elisabeth: Absolut, feiner Haken. Wenn ich ein H-Haus habe, wo die Heizung noch zehn Jahre hält, mache ich vielleicht Fenster, Dachdämmung, oberste Geschossdecke und komme in ein F oder E. Eine Wärmepumpe würde mich Richtung C bringen, aber dann würde ich heute Kosten verursachen, die nicht nötig sind. Besser nutze ich in zehn Jahren den Anschlussfinanzierungszeitpunkt, um die Wärmepumpe mit aufzunehmen. Bevor man ein teures kleines Sanierungsdarlehen innerhalb der zehn Jahre aufnimmt, wartet man gescheit, bis die Anschlussfinanzierung ansteht.

Marco: Da hätte ich mir etwas mehr praxisnahen Transfer gewünscht: Wie schaffe ich es aus meiner H-Immobilie über den Anschlusszeitpunkt eine Effizienzklasse besser?

Elisabeth: Oder wenigstens eine Verlinkung, damit ich mich tiefer reinlesen kann. Klar, es waren nur sieben Minuten. Aber der Tipp – da kann ich einen Haken hintersetzen, dass man das genauso machen sollte.

Marco: Macht mehr als Sinn, insbesondere bei mutmaßlich steigenden Energiekosten.

Frühzeitig kümmern und der Forward-Aufschlag

Marco: Der erste Tipp war: frühzeitig kümmern. Man kann sich fünf Jahre im Voraus den neuen Zinssatz sichern. Da hattest du ein Sternchen drangemacht.

Elisabeth: Mir hat der Disclaimer gefehlt. Ich kann mir fünf Jahre im Voraus – bei manchen Banken drei Jahre – einen Zinssatz sichern. Ein Halbsatz wurde vergessen: Da fallen Forward-Aufschläge an. Ich bekomme nicht den aktuellen Zinssatz, sondern es wird ein Aufschlag draufgemacht. Je weiter ich in die Zukunft gehe, desto höher: Die Bank weiß nicht, wie sich der Zins entwickelt, das ist eine Wette, also schlägt sie 0,2, 0,3, 0,4 drauf – von jeder Bank unterschiedlich. Das hätte ich mir gewünscht, weil es sonst suggeriert: Mach dir keine Sorgen, du kannst dir das Zinsniveau einfach sichern.

Marco: Sehr wichtiger Hinweis, der nicht jedem klar sein wird. Man muss es wissen und dann nach eigenem Sicherheitsbedürfnis entscheiden.

Elisabeth: Die ersten Wörter waren richtig: Frühzeitig kümmern heißt, frühzeitig auf Bank oder Berater zuzugehen und zu fragen, was das aktuelle Zinsniveau ist. Man kann alle drei Monate schauen, wie die Lage ist. Je näher man am Anschlusszeitpunkt ist, desto günstiger wird es, weil der Forward-Aufschlag pro Monat wegfällt. Da kann man austarieren, wann der rechte Zeitpunkt ist.

Bankenwechsel und Neubewertung der Immobilie

Marco: Tipp zwei war der Bankenwechsel: Eine Immobilie wird beim Wechsel neu bewertet, was zu einem besseren Zinssatz führt. Das klingt einfach.

Elisabeth: Grundsätzlich: Wenn ich nach zehn Jahren zu einer neuen Bank gehe, bewertet sie die Immobilie, bekommt den Marktwert raus, und die Restschuld wird ins Verhältnis dazu gesetzt. Nur wurde wieder der Schluss gezogen, dass jede Bank nach zehn Jahren automatisch einen höheren Marktwert herausbekommt. Es kann aber sein, dass du einen überhöhten Kaufpreis gezahlt, nicht saniert hast und jetzt 24 Sachen anstehen – dann wird der Marktwert nach unten korrigiert, und du bekommst keinen besseren Zinssatz. Da war man wieder sehr pauschal. Ich hätte mir die Formulierung entschärft gewünscht: dass man bei einer neuen Bank einen besseren Marktwert bekommen kann.

Marco: Es klang so, als wäre pauschal nach zehn Jahren jede Immobilie mehr wert. Da braucht es keinen Raketenwissenschaftler, um zu wissen: In der Pauschalität ist das falsch. Damit haben wir alle Punkte aus dem Beitrag beleuchtet. Was sind denn deine drei Tipps für jeden Anschlussfinanzierer?

Elisabeths drei Tipps: Vergleichen, rechtzeitig kümmern, Ruhe bewahren

Elisabeth: Mein erster Tipp: Vergleichen. Lasst euch von der Hausbank einen Zinssatz geben und legt das beim Berater neben andere Banken. Dann seht ihr, ob der Marktwert höher geworden ist und ob ein Wechsel Sinn macht. Wichtig: Ein Bankenwechsel verursacht Kosten – die Grundschuld muss an die neue Bank abgetreten werden, das trage ich selbst. Die Zinsersparnis muss sich also über diese Kosten hinaus lohnen. Außerdem ist es Aufwand: Ich muss alle Unterlagen neu einreichen.

Marco: Im Prinzip eine neue Finanzierung.

Elisabeth: Genau, und die Bonität wird neu betrachtet. Stichwort: Ich habe vielleicht als Angestellter finanziert und bin jetzt in Rente mit niedrigerem Einkommen – ein riesiger Unterschied. Noch schlimmer beim Objekt: Unterlagen, die ich vor zehn Jahren nicht brauchte, muss ich jetzt beschaffen, ohne Makler. Man muss schauen, ob man die nötigen Unterlagen überhaupt zur Verfügung stellen kann.

Marco: Ein wichtiger Punkt aus dem Beitrag: Banken achten mittlerweile sehr stark auf Immobilie und Energieeffizienzklasse – vor zehn Jahren war das entspannter. Das bringt in der Neubewertung ein gewisses Risiko.

Elisabeth: Beim Neuabschluss steigt die Flexibilität: Ich kann Tilgung anpassen, Zinsbindung selbst bestimmen. Bei der Prolongation – beim Bankpartner bleiben – habe ich einen schlankeren Prozess, die Einkommen werden trotzdem geprüft, aber in der Regel läuft es so weiter. Ich bin aber eingeschränkter in der Strukturierung, die Laufzeit muss gleich bleiben. Dafür spare ich die Eintragungskosten der Grundschuldabtretung. Das ist ein Abwägen von Fall zu Fall. Mein Tipp: den Vergleich machen und dann für sich entscheiden. Mein zweiter Tipp: rechtzeitig kümmern, mit Augenmaß. Fünf Jahre vorab ein Gefühl fürs Zinsniveau bekommen und sich transparent geben lassen, wie hoch der Aufschlag wäre – in Euro. Je näher man kommt, desto öfter sollte man mit dem Berater gesprochen haben. Nicht jeden Tag verrückt machen, sondern schauen: Wenn das Zinsniveau stabil bleibt, wie groß ist die Ersparnis, wenn ich bis ein Jahr vor Anschlussfinanzierung warte? Dann entfällt meist der Forward-Aufschlag.

Marco: Man war fünf, sechs, sieben Jahre auf dem Beifahrersitz – und jetzt ist es Zeit, sich wieder auf den Fahrersitz zu setzen, der Entwicklung aktiv nachzugehen und Opportunitätskosten abzuwägen.

Elisabeth: Die letzten Jahre war es einfach, weil es immer nur runterging. In den nächsten Jahren werden wir Gespräche führen, in denen es teurer wird – egal welche Finanzierung aus der Niedrigzinsphase. Deshalb sollte man sich rechtzeitig melden und zwei Fragen unterscheiden: Was ist der aktuelle Zinssatz und mein Mehrbetrag? Und was ist der Aufschlag, wenn ich mir den Zins für in fünf Jahren sichere? Kann ich den Mehrbetrag aus meinem Einkommen stemmen, lasse ich erstmal alles laufen und setze in zwei, drei Jahren den nächsten Termin. So arbeitet man sich vor, bis man an den Punkt kommt, wo man abbiegt. Wenn es über den Forward-Aufschlag hinaus steigt und ich ein Existenzrisiko hätte, könnte ein Forward sinnvoll sein. Aber das ist so individuell, dass Pauschalaussagen extrem schwer sind.

„Egal welche Finanzierung aus dieser Niedrigzinsphase du dir anschaust – es wird teurer werden.“

Marco: Vergleichen sehr wichtig, frühzeitig kümmern unter dem Sternchenverweis. Hast du noch einen dritten, oder sind es einfach die zwei?

Elisabeth: Sich nicht verrückt machen lassen. Es wird Käuferinnen und Käufer geben, die schlecht beraten wurden und sich die Immobilie nicht mehr leisten können – da kommt es vielleicht zu Verkäufen. Aber bei allen, die in der Niedrigzinsphase gut beraten wurden, sind solche Risiken abgebildet: Die Rückzahlungsraten wurden so gemacht, dass die Restschuld nur so hoch ist, dass sich die Belastung nicht explosiv ändert.

„Ihr könnt die Situation nicht ändern, aber was ihr ändern könnt, ist eure Einstellung dazu.“

Elisabeth: Geht nicht auf die Angst ein und sichert blind etwas, das ihr nicht einschätzen könnt, sondern lasst euch die Zahlen geben – bitte in Euro, weil wir mit Prozentzahlen nichts anfangen können. Was bedeutet das für mich pro Monat in Euro? Dann entwickelt ihr ein Bauchgefühl und könnt eine Entscheidung treffen. Was man nicht machen sollte: aus Angst sehr schnelle Entscheidungen treffen, die man später anders getroffen hätte. Denn aus einer Forward-Vereinbarung kommt man nicht mehr raus. Ruhe bewahren.

Marco: Ein sehr schöner, wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Tipp zum Ende. Hast du noch etwas im Kopf? … Ein Nein in diesem Sinne. Dann: Danke an alle, die es bis hierhin geschafft haben. Da machen wir einen Strich drunter. Bis bald und macht es gut in diesen bald sonnigen Tagen.

Elisabeth: Alles Gute. Ciao, ciao.

FAQ

Oft nicht. Bei einem niedrigen Altzins wie 1,4 Prozent spart die Sondertilgung nur genau diesen Zinssatz. Bringt eine Anlage mehr, ist das Geld dort unter Umständen besser aufgehoben. Entscheidend ist der Vergleich der Opportunitätskosten.

Im Beispiel wird es angelegt, etwa in einem breit gestreuten Aktieninstrument oder verzinst. Das aufgebaute Kapital lässt sich zum Anschlusszeitpunkt einsetzen, um die Restschuld auf einen Schlag zu senken.

Als generelle Lösung nicht. Eine niedrigere Tilgung senkt zwar die Rate, verlängert aber die Laufzeit – möglicherweise bis in die Rente – und kostet deutlich mehr Zinsen. In Einzelfällen wie einem kurzfristigen Engpass kann es ein Mittel sein.

Nach Elisabeths Erfahrung nicht. Die kritische Grenze liegt zwischen F und G; einen Sanierungsfahrplan verlangen Banken in der Regel erst bei G- oder H-Immobilien. Eine D-, E- oder F-Immobilie ist finanzierbar.

Sinnvoll ist es, Sanierungen am tatsächlichen Bedarf auszurichten und über den Anschlussfinanzierungszeitpunkt zu bündeln, statt während der laufenden Zinsbindung ein teures kleines Sanierungsdarlehen aufzunehmen.

Ja, über ein Forward-Darlehen – bei manchen Banken bis zu fünf, bei anderen bis zu drei Jahre im Voraus. Dabei gilt nicht der aktuelle Zins: Es kommt ein Forward-Aufschlag hinzu, der mit dem Vorlauf steigt.

Der Aufschlag, den die Bank auf den aktuellen Zins nimmt, wenn sie ihn für einen Zeitpunkt in der Zukunft sichert. Er ist von Bank zu Bank unterschiedlich und fällt umso höher aus, je weiter der Termin entfernt ist.

Nein. Ein besserer Zins entsteht nur, wenn die Neubewertung einen höheren Marktwert ergibt. Bei hohem Einstiegspreis, fehlender Sanierung oder Marktkorrektur kann der Wert auch niedriger ausfallen.

Beim Wechsel muss die Grundschuld an die neue Bank abgetreten werden, was Kosten verursacht, die man selbst trägt. Die Zinsersparnis muss diese Kosten erst übersteigen, damit sich der Wechsel lohnt.

Das hängt vom Einzelfall ab. Der Wechsel bietet mehr Gestaltungsspielraum bei Tilgung und Zinsbindung, kostet aber mehr und erfordert vollständige Unterlagen. Die Prolongation ist schlanker, aber starrer.

Weil sich die monatliche Belastung in Euro greifbarer einschätzen lässt. Eine Angabe wie „0,3 Prozent teurer" sagt wenig; der konkrete Eurobetrag pro Monat hilft, ruhig zu entscheiden.

Erstens vergleichen – Hausbank gegen andere Banken, inklusive Wechselkosten. Zweitens sich rechtzeitig und mit Augenmaß kümmern. Drittens Ruhe bewahren und keine vorschnellen, unumkehrbaren Forward-Entscheidungen aus Angst treffen.

Über die Autoren

Elisabeth Beck geb. Dick ist Gründerin und Geschäftsführerin von bauffy. Sie begleitet Privat- und Firmenkunden in komplexen Finanzierungsfragen und entwickelt Lösungen, die strukturiert, langfristig tragfähig und auf die individuelle Situation abgestimmt sind. Ihr Hintergrund in Finanzdienstleistungen und Wirtschaftsrecht prägt ihren analytischen Blick auf Finanzierung als Teil einer übergeordneten Vermögens- und Lebensplanung.

Marco Beck ist Host des bauffy Podcasts. Er bringt seine Erfahrung aus der Entwicklung und Vermarktung komplexer Geschäftsmodelle ein und führt durch die Gespräche mit einem klaren Blick für Struktur und Entscheidungslogik. So werden auch anspruchsvolle Finanzierungsthemen verständlich eingeordnet und für fundierte Entscheidungen nutzbar.

Gern prüfen wir gemeinsam, wie sich die Inhalte dieser Folge auf Ihre persönliche Situation übertragen lassen.

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